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Bist du auch ein Daten-Messie?

Bist du auch ein Daten-Messie?

Autsch! Trennung tut weh! Aber warum lieben wir unsere Daten so sehr? 

Wie schön ist ein Sommertag mit einem Picknick am See. Das ist auf jeden Fall ein Foto wert. Die Aussicht, meine Füße im Wasser, unser leckeres Essen – und schon wird das erste Selfie gemacht. Alles wird als Erinnerung fotografiert. Nach dem Moment ist es auch schon vergessen.

 

Der Schnappschuß liegt sicher im Herzen meines Handys – im Speicher – und begleitet mich immer griffbereit. Mit ein paar Swipes und Klicks habe ich den Sommertag wieder vor mir, wann immer ich es will. Oder?

 

Mittlerweile habe ich fast 15.000 solcher kleinen Erinnerungen auf dem Handy. Hinzu kommen die Videos, Fotos und Gifs, die mir Freunde und Familie schicken. Grüße vom Hund meiner Schulfreundin, das leckere Essen beim Familientreffen oder pünktlich zum Freitag das “Hoch die Hände”-Wochenende-Bild in so ziemlich jeder Chat-Gruppe. Alles verschwindet im Smartphone und damit in der Datencloud. Das verrückte ist, die meisten der Fotos habe ich nie wieder angesehen – sie sind eigentlich Müll: Müll + Daten = Datenmüll.
Bin ich ein Daten-Messie, der das Klima belastet?

 

Was ist eigentlich Datenmüll?

 

Das vorweg: Digitale Daten bestehen aus Nullen und Einsen. Codes aus Buchstaben und Zahlen können von Computern gelesen und als Datei – Foto, Text, Video und eben Selfie –  zur Verfügung gestellt werden.

 

Daten – Codierung am Computer, Foto: @ Luis Gomes

 

Bei unseren digitalen Aktivitäten sammeln sich Unmengen solcher Daten an – auch unbrauchbare. Die werden erstellt, um z.Bsp. Websites im Browser schneller zu laden oder das Öffnen von Bildern auszuführen. Sie werden nur im Moment des Abrufes benötigt,  danach nie wieder – wie Verpackungsmüll.

 

Wenn Zuhause so etwas nicht mehr genutzt werden kann, entsorgen wir es. Und das regelmäßig und sorgfältig sortiert. Unseren Datenmüll entsorgen wir aber nicht sofort, sondern sammeln ihn für Ewigkeit auf Servern an. Stellt euch mal vor, wir würden das mit unserem Hausmüll machen. Wir bräuchten Unmengen an Stauraum – also unnötigen Speicherplatz, der viel CO2 verursacht.

 

E-Mail für dich – macht 4 Gramm CO2

 

Unsere Liebe zum Datenhorten können wir Dank Handy und Computer, die über die Cloud scheinbar unendlich viel Speicherplatz haben, freien Lauf lassen. Jede Datei sortieren wir dort liebevoll in Ordnern. Klammheimlich steigt so die Datenmenge schnell an, und das bei jedem von uns.

In 2020 wurden weltweit über 59 Zettabyte Daten gespeichert. Ein Zettabyte (ZB) sind eine Trilliarde Bytes oder in Zahlen 1.000.000.000. Experten schätzen, dass die gespeicherten Daten bis 2025 auf 175 Zettabyte ansteigen werden. Davon sollen 91 Zettabyte Dark Data sein, also Daten, die vollkommen ungenutzt auf den Servern liegen.

 

Das Anhäufen von Datenmüll ist nicht folgenlos. Jedes Surfen, Chatten und Speichern verursacht CO2 und hat damit Auswirkungen auf das Klima. Durch unnötig archivierte Dateien verursachen wir jährlich 5,8 Millionen Tonnen CO2. Das ist genauso viel, wie ein Auto verbraucht, das 575.000 mal die Erde umrundet.

 

So sieht unser täglicher digitaler CO2 Footprint aus:

 

  • Wie lautet noch die Formel für den Kreisumfang? Eine kurze Recherche mit Google klärt auf. Dabei werden ungefähr 0,2 Gramm CO2 produziert.
  • Das Ergebnis schnell in der Gruppe austauschen und per E-Mail verschicken, verursacht  4 Gramm CO2 auf unserem Konto.
  • Dann ist doch mal schnell der Anhang in Vergessenheit geraten. Also noch eine E-Mail mit Anhang hinterher. Dabei entstehen ungefähr 30 Gramm CO2.
  • Schnell noch ein paar Posts in den sozialen Netzwerken, sind ca. 0,8 Gramm CO2. Aktive UserInnen von sozialen Netzwerken wie Facebook oder Instagram verursachen jährlich rund 300 Gramm CO2.
  • Der Tag wird abgeschlossen mit einer Serie, die übers Internet gestreamt wird. Dabei entstehen je nach Netzwerk zwischen 2 und 90 Gramm CO2 pro Stunde. Damit ist das Streamen von Videos der größte CO2-Verursacher im Internet und macht 80% der Internet-Emissionen aus.

 

Die Tagesrechnung: 164 Gramm CO2 pro Person 

 

Durch Streamen, Networken, Liken oder Taggen entsteht jeden Tag eine ziemlich große Menge CO2. Allein die Internetnutzung erzeugt jährlich ungefähr 3,7 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen und ist damit bei der Treibhausgas-Belastung mit dem Flugverkehr vergleichbar, der circa 918 Millionen Tonnen CO2 jährlich verursacht.

 

Wie entsteht CO2 durch das Internet?

 

Um überhaupt ins Internet zu gehen, brauchen wir technische Voraussetzungen, wie ein Handy, Tablet oder PC. Für deren Herstellung werden Rohstoffe und Energie benötigt. Das bedeutet wiederum, dass CO2 ausgestoßen wird. Zum Aufladen der Geräte brauchen wir Strom. Dabei entsteht wieder CO2. Die Hälfte der Energie, die durch das Internet verbraucht wird, wird benötigt, um die Server zu betreiben, die unsere Daten wie E-Mails oder Informationen in sozialen Netzwerken speichern. Die andere Hälfte der Energie wird aufgewendet, um die Server zu kühlen. Strom ist also ein wichtiger CO2-Faktor.

 

Selfies und Katzenvideos werden zum Horrortrip

 

Das Produzieren und Verarbeiten von Daten wie Fotos und der damit verbundene Ausstoß an CO2 passiert scheinbar unsichtbar. Kein Auspuff oder Schornstein, durch den ich die Abgase sehen könnte. Keine Mülltonne, die voll ist und abgeholt wird. Unser Datenmüll ist abstrakt und für uns alle schwer vorstellbar.

In unserer neuen AR-Story „Geliebter Datenmüll“ erlebst du, wie dein Datenmüll dich einholt und in eine Spirale zieht. Erlebe selbst wie die täglich aufgenommenen Selfies aus Einsen und Nullen plötzlich real und erfahrbar werden.*

Trennen tut echt weh! 

 

Wir sollten uns von unserem Datenmüll trennen. Und genau das ist das Problem. Wo fangen wir an? Welche Fotos sind die besten? Welche sind mir die Liebsten?
Schon beim Auswählen passiert es. Wir können uns so schlecht von Daten trennen, weil es schön ist, sie sich noch einmal anzuschauen und den Moment wiederzuerleben.
Deshalb gibt es auf jedem Handy und Computer einen Mülleimer. Hier schieben wir den ausgewählten Datenmüll rein. Das Gute ist, hier können wir ihn zwischenparken.
Das Problem ist, dass der Müll dort für lange Zeit bleibt und Speicherplatz verbraucht. Die endgültige Trennung wird hinausgezögert. Denn wenn wir die Daten löschen, sind sie für immer weg.

 

Geliebter Datenmüll R.I.P 

 

Müssen wir jetzt Offline gehen? NEIN! Digitale Fotos, Chats und Surfen sind wichtige Bestandteile in unserem Leben. Es gibt aber Möglichkeiten, besser mit unseren Datenmüll umzugehen, ihn einfacher zu entsorgen und damit CO2 einsparen zu können.

 

Unsere Tipps:

    • Wie viele Newsletter oder Spams bekommst du? Wenn du einen nach dem anderen in den Papierkorb wischt, lohnt es sich diese E-Mails abzubestellen. Das kann auf diese Weise eine Menge CO2 eingespart werden.
    • Wenn du regelmäßig deinen Handyspeicher aufräumst, fällt es dir einfacher, dich von Fotos und Daten zu trennen. Es wird normal.
    • Ist dir langweilig, surfe im Internet nicht nach Glücksmomenten. Schaue dir lieber deine Daten an und lösche, lösche, lösche… dich glücklich. So sparst du Strom und damit CO2.
    • Wenn du Suchmaschinen verwendest, die umweltbewusst sind oder ihre Einnahmen der Gesellschaft zurückgeben, senkst du deinen CO2 Footprint und unterstützt gleichzeitig die SDGs. Wir haben nachhaltige Suchmaschinen für dich rausgesucht.
    • Einmal im Monat einen Löschtag feiern. Vielleicht mit Freunden eine Löschparty machen und die Erinnerungen noch ein letztes Mal teilen.

 

Fazit

 

Natürlich machen wir weiterhin Fotos von Sonnenuntergänge und halten einmalige Erinnerungen fest. Genauso sollten wir auch aussortieren, was keinen Platz im Handyspeicher verdient hat. Trenn dich von deinem digitalen Ballast. Es ist keine Liebesbeziehung.

Für mich ist das auch ein Anlass meine fast 15.000 Fotos mal gründlich aufzuräumen. Und beim nächsten “Ping” im Postfach schaue ich gleich nach, ob die E-Mail nicht sofort von meinen Geräten verbannt werden kann.

 

Deine Maria von FUTURE LEAF

 

Wie gehst du mit deinem Datenmüll um?
Welche Tipps hast du?
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Kommentiere gerne unsere Artikel oder erzähle uns von deinen Erfahrungen: hello@futureleaf.org

 

*Unsere AR Story produziert natürlich auch CO2. Deshalb wird unsere AR-Story nicht direkt auf deinem Handy gespeichert. Wir stellen die AR-Story ausschließlich mit erneuerbarer Energien her und hosten die AR-Geschichte und die Plattform FUTURE LEAF.space auf einem Server, der nur Strom aus erneuerbarer Energie verwendet.

 

Wir arbeiten täglich daran, unseren CO2 Verbrauch zu senken. Mehr dazu auf https://futureleaf.space/about-future-leaf/

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