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Dating im Metaverse – Liebe durch die rosarote VR Brille

Dating im Metaverse – Liebe durch die rosarote VR Brille

Eine virtuelle Parallelwelt, mit der nicht jede*r in Kontakt kommt – VR-Chats. Das sind virtuelle Räume, die jeder mit einer VR-Brille betreten kann. Diese Räume nennen viele auch das „Metaverse“, und das wird gerade heiß diskutiert. Aber die Wenigsten waren schon mal drin. Was passiert da eigentlich?

 

 

Fact: Woher kommt der Begriff Metaverse?

 

 

Was passiert in VR-Chaträumen

 

 

Ich selbst war noch nie in einem VR-Chatraum. Ehrlich gesagt habe ich auch ein wenig Respekt davor. Lieber würde ich jemanden persönlich auf der Straße ansprechen, als von einem anonymen Avatar angequatscht zu werden. Die Vorstellung, dass jemanden, den ich nicht sehen kann, mit mir reden und mir nah kommen kann, ist irgendwie unheimlich. Im Hinterkopf habe ich den Hass, der auch auf zweidimensionalen Plattformen wie Twitter und Instagram sowieso schon existiert. Die Anonymität und mir unbekannte Regeln für virtuelles Handeln geben mir zu denken.

 

Aber ich bin neugierig geworden und habe mich in Foren eingelesen, recherchiert, Dokumentationen von YouTuber*innen angeschaut und wissenschaftliche Texte durchstöbert.

 

Es gibt anscheinend Menschen, für die VR-Chats ein fester Bestandteil ihres sozialen Lebens sind. Sie halten sich dort für mehrere Stunden an mehreren Tagen die Woche auf. Aber was passiert da genau?

 

 

 

Rollenspiel oder Realität?

 

VR-Chats sind kein Spiel, sondern soziale Plattformen. Man nennt sie auch Social VR. Menschen treten als Avatare miteinander in Kontakt und laufen gemeinsam in virtuellen Räumen der jeweiligen Plattformen herum.

Es gibt da große Unterschiede. Die Nutzung reicht von Arbeitsmeetings und Konzerten bis hin zu Strip-Clubs.

Innerhalb der VR-Welten können auch Spiele gespielt werden. Trotzdem scheint der Umgang auf den Plattformen eher spielerisch und experimentell zu sein.

 

Viele nutzen VR-Chats auch für Rollenspiele. Hier schließen sich zum Beispiel Star Wars Fans zusammen und spielen als Avatar ihrer geliebten Charaktere typische Handlungen nach. Es erinnert stark an Live-Action-Rollenspiele, mit dem Unterschied, dass es oft kein Skript gibt. Für mich klingt das, als würden die Grenzen zwischen Fantasie und Wirklichkeit manchmal verschwimmen.

 

 

 

 

Wie suche ich meinen Avatar aus?

 

 

In den VR-Chats sehen die Menschen nicht gerade aus, wie in der Bahn oder auf der Straße. Von Anime-Charakteren bis zu undefinierbaren Figuren ist alles dabei. Die VR-Chatter*innen schlüpfen in die Rollen ihrer Lieblingscharaktere und tauchen in fantastische virtuelle Welten ein.

 

Ich frage mich, welchen Avatar ich auswählen würde? Erstelle ich eine Kopie von mir selbst oder schlüpfe ich in einen anderen Avatar? Wahrscheinlich würde ich erst mal versuchen, die Figur so aussehen zu lassen wie mich selbst. Und wenn ich ehrlich bin, würde ich vielleicht ein paar Dinge an mir ändern, die mich in der realen Welt auch stören. Schließlich habe ich die Möglichkeit dazu.

 

Ich logge mich in einen VR-Chat ein und gestalte zuerst meinen Avatar. Ich kann mir alles aussuchen: meine Hautfarbe, meine Kleidung, meine Haare, Mund, Nase, Augen und schicke Klamotten und Accessoires.

 

In VR-Chats trifft man dann zufällig auf andere Menschen aus aller Welt. Die Avatare können rumlaufen, miteinander reden und einander „nahe“ kommen. Das Besondere: auch die Körpersprache wird abgebildet. Kommunikation geht hier also weiter als in Chat-Apps oder Video Calls. Man fühlt sich, als wäre man präsent im virtuellen Raum und spürt die Präsenz von den anderen Anwesenden.

 

Anders als in Spielbergs Film* gibt es in VRChat kein Ziel, keinen Hauptgewinn, die Figuren tun nichts anderes als im echten Leben – oder eben auf Facebook. Sie unterhalten und missverstehen und beleidigen sich. Ihre Motivation ist zu gleichen Teilen Experiment, Rollenspiel und Ego-Remix.“ – Michael Moorsted – Autor bei suedeutsche.de *Readyplayer One

 

Eigentlich ist es wie im normalen Leben, nur sehe ich anders aus und weiß nicht, wer hinter den Avataren steckt. Das ist komisch und fremd.

 

 

 

Vor- und Nachteile von Avataren in VR-Chats

 

Die virtuellen Räume sind erst mal ein Erlebnis, das man so noch nicht hatte. Man überwindet das Reale und Entfernungen, ist aber in echt zusammen wie bei einem Multiplayer-Game.

 

Es soll inzwischen sogar Versuche geben, Bewerbungsgespräche in einem Social-VR-Chat zu führen. Der Vorteil ist, Aussehen und Alter werden hinter den Avataren versteckt, so dass im Fokus die tatsächlichen Leistungen für den Job steht. Hintergrund ist, dass der menschliche Körper durch die Körpersprache von uns Menschen schnell „gelesen“ wird und wir Personen deshalb oft voreingenommen beurteilen.

 

VR Chat Avatare werden von Transsexuellen Menschen genutzt, um ihre Identität auszudrücken

Im Social-VR-Chat hingegen erzeugt man als Avatar einen anderen Eindruck. Das ist auch gewollt. In einem Forum hat jemand die Frage gestellt, warum sich „Männer“ häufig einen weiblichen Avatar aussuchen würden. Daraufhin wurde geantwortet, dass so zum Beispiel auch Transsexualität ausgelebt werden kann.

 

VR-Chatter*Innen nutzen den Avatar also, um so die eigene Identität auszudrücken. Viele der Probleme, mit denen Transsexuelle in der „echten Welt“ zu kämpfen haben, können in VR zu einem großen Teil zumindest temporär umgangen werden.

 

 

 

Dating im Metaverse

 

Menschen verlieben sich, heiraten und haben sogar virtuellen Sex in Social-VR-Chats. Das hat mich überrascht. So richtig könnte ich mir eine Beziehung in Social-VR nicht vorstellen. Andererseits lernen sich viele Paare auch in Online-Chats kennen. Was ist in VR anders?

 

Dating im Metaverse scheint für einige Mitglieder der VR-Chat Community ziemlich normal zu sein. „We met in Virtual Reality“ ist eine Dokumentation über Paare, die sich im Metaverse kennengelernt haben.

Es gibt auch zahlreiche Videos auf YouTube, die Tipps für erfolgreiches virtuelles Dating geben und Interviews von Paaren, die sich dort kennengelernt haben.

 

Ich frage mich aber: wie verliebt man sich in einen Avatar?

 

In einem Forum hat jemand gefragt, ob es normal sei, sich im VR-Chats zu verlieben. Die Teilnehmer*innen teilen in der Diskussion ihre durchmischten Erfahrungen mit Dating in Virtual Reality. Während einige davon abraten, sprechen andere von einer realen und besonderen Verbindung. Und immer wieder lese ich, dass Körpersprache dabei eine große Rolle spielt.

 

In einem Forum wird über Liebe im VR Chat diskutiert

Einige der Leute mit einem weiblichen Charakter im Spiel vermitteln mir ein tiefes Gefühl wie Verliebtsein. Sie bewegen sich mit ihrem Körper weiblicher und sind so reizend. Ich denke, meine Gefühle sind echt, obwohl es virtuell ist. Ich möchte von euch wissen, bin ich da der Einzige, der solche Gefühle hat? Ich bin keine Jungfrau, falls ihr das denken solltet. Und ja, ich meine diese Frage ernst.“

 

Antwort:

Ich denke, es ist wie jemanden bei dir zu haben. Und in VR ist es echter als sonst, durch den Phantomeffekt, dass eine Person sich an dich anlehnt oder du sie hältst.

 

 

In der ReportageSelbstversuch: Ich lebe 3 Tage im Metaverse von „reporter.“ trifft der Autor Max auf jemanden, der in einem VR-Chat eine Beziehung geführt hat. Die Person spricht davon, dass es einfacher für ihn sei, dort mit Menschen Kontakt zu haben, besonders weil er an Asperger und Depressionen leide.

 

Ich frage mich, ist da nicht die Gefahr von Alltagsflucht? Warum haben es Menschen, die nicht dem „Mainstream“ entsprechen, in der Realität schwerer? Und ist es nicht eine Chance auch in VR-Chats das zu zeigen und zu sagen?
Die Möglichkeit, ohne Vorurteile von anderen angenommen zu werden, aber haben mich erst mal überzeugt.

 

 

Das Phänomen: Phantom Berührungen

 

Einige in den Foren sagen auch, dass ein weiterer Vorteil auch sei, dass ein Raum entsteht, in dem Menschen aus der LGBTQI Community ihre Sexualität leben können – auch wenn sie sich in einem Land befinden, in dem Homosexualität verboten ist.

 

Aber was passiert, wenn man sich verliebt? Paare, die sich in VR-Chats kennengelernt haben, sprechen davon, dass sie gemeinsam Zeit verbringen, verschiedene Welten entdecken und Spiele spielen. Dabei spielt es keine Rolle, wo sie sich auf dem Planeten befinden. Social-VR-Chat-Liebe sei ähnlich wie eine Fernbeziehung mit dem Plus, dass der Kontakt einfacher und intensiver sei.

 

Auf YouTube bin ich oft auf den Begriff „ERP“ gestoßen. Ich habe nachgeforscht. Das Akronym steht für Erotic Role Play – also virtueller Sex. The unspoken World of ERP“ ist eine Dokumentation, die zeigt, was in den ERP Welten vor sich geht. Sexuelle Handlungen werden von den VR-Chatter*innen im VR Chat ausgeführt. Berühren können sie sich natürlich nicht – ist ja alles virtuell.

 

Es gibt aber das Phänomen der „Phantom Berührungen“. VR-Chatter*innen berichten davon, dass es sich anfühlt, als würden sie berührt werden, weil sie es visuell vor Augen haben. In einer Studie mit japanischen VR-Chatter*innen ist die Rede davon, dass Pseudo-Berührungen und die Körpersprache auch für die Kommunikation in VR genutzt werden.

 

Das ist interessant: Die TeilnehmerInnen sagten, dass durch die VR-Situation ihre Kommunikationsschwierigkeiten geringer würden und die zwischenmenschliche Attraktivität zueinander durch die simulierten Berührungen in VR zunahmen. Das heißt, dass pseudo-körperlicher Kontakt – also ohne tatsächliche Berührung – einen starken Effekt auf soziale Interaktion in VR hat.

 

Chancen auf eine bessere Welt? 

 

„Belästigung im Internet“ war bei vielen von uns schon in der Schule Thema. Ich erinnere mich an zahlreiche Präventionstage zu „Cybermobbing“ und „Sicherheit im Netz“. Geschützt war man am Ende so halbwegs. Mich interessiert, ob sich die Wahrnehmung von Belästigung im VR-Chat von zweidimensionalen Plattformen oder der Realität unterscheidet. Und welche Regeln gibt es in virtuellen Räumen?

 

Was passiert, wenn gefühlt alles passieren kann? Am Schönsten wäre es, wenn wir die Chance nutzen, das nächste Internet – das „Metaverse“– perfekter aufzubauen. Vollkommener, toleranter, klimaschonender und sozialer… also die Regeln neuschreiben.

 

Genauso wie in der echten Welt, passieren aber Dinge, die eigentlich nicht erwünscht sind. Auch in einer virtuellen „Bar“ kommt es zu Belästigung, weibliche Avatare werden diskriminiert und objektifiziert. So berichtet auch der britische öffentlich-rechtliche Sender BBC von sexueller Belästigung im VR-Chat „horizon worlds“ des Konzerns Meta. Wer hält sich eigentlich in diesen Welten auf? Und wie kann ich mich schützen?

 

Das festzustellen ist schwierig. Das Problem ist, dass auch Minderjährige einfachen Zugang zu virtuellen Räumen haben. Eine Altersbeschränkung gibt es (noch) nicht überall, nur eine Empfehlung ab 13 Jahren.

Der Vorteil in VR ist, dass ich Avatare in vielen Welten blockieren kann, einen Sicherheitsabstand einstellen und vor allem die Brille abnehmen kann. Es gibt also Möglichkeiten, deinen Aufenthalt im Social-VR-Chat so angenehm wie möglich zu gestalten.

 

Die Entwickler der App „Harassment Prevention Training“ (Belästigungs-Präventions-Training) haben sich die Intensivität von 360° Experiences zu Nutze gemacht. Aus der Sicht des Opfers erfährt der Nutzer, wie sich sexuelle Belästigung anfühlen kann. Studien zufolge wird VR also dafür eingesetzt, um auch in der „Realität“ Verhaltensänderungen bei den Tätern zu bewirken.

 

„Diese Ergebnisse bestätigen erneut das Potential von VR, als Initiator von Veränderung der Perspektive und Gefühl von Präsenz, im Kontext von Gewalt gegen Frauen, indem ein weiblicher Körper eingenommen wird.“ (deutsch)

„These results confirm previous findings that highlight VR’s potential to induce changes in perspective taking and the sense of oneness8 in the context of violence toward women through embodying a female’s body.“ (englisch)

 

Übrigens: wenn du in einer echten Bar belästigt wirst, kannst du zum Personal gehen und nach „Luisa“ fragen. Nein, „Luisa“ ist keine echte Person. „Luisa ist hier“ ist eine Kampagne des Beratungsstelle Frauen-Notruf Münster. Das ist ein Hilfeangebot für Frauen, um in brenzlichen Situationen Schutz zu bekommen. Das Personal weiß Bescheid, dass du dich womöglich bedrängt fühlst und dir wird diskret Hilfe angeboten. Die teilnehmenden Unternehmen sind hier gelistet, leider wurde die Liste seit 2018 nicht vervollständigt. Trotzdem: wenn du dich unwohl fühlst, hab Mut und such dir Hilfe!

 

Tipps für mehr Sicherheit in Social-VR

 

Ich habe recherchiert. Offizielle Regeln gibt es (noch) nicht. Daher hier unsere Tipps aus der FUTURELAF.space Redaktion:

Regeln für sichere Social-VR-Chats:

  • Suche auf der Plattform, bevor du dich eincheckst, nach Regeln, die du committen musst. Sind keine da, sollest du den Social-VR-Chatroom meiden.
  • Verabrede dich mit FreudInnen im VR-Chatroom – wie im echten Leben seid ihr zu mehren besser geschützt.
  • Gebe immer dein „echtes“ Alter an, dann bist du vor Übergriffen auch gesetzlich geschützt.
  • Wirst du belästigt, melde den Avatar beim Veranstalter.
  • Spreche über deine negative Erfahrung – das hilft dir und anderen.

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Marie Beenken

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