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Magnus Wessel – Insektenschutz und Schmetterlinge

Die Schmetterlinge sind in der Tat auf dem Rückzug. Das ist kein kurzzeitiger Trend, sondern das ist etwas was sich über die letzten zehn, zwanzig, dreißig Jahre zurückverfolgen lässt. Wir haben einfach viel weniger Blühpflanzen. — Magnus Wessel – Insektenschutz und Schmetterlinge

Das weltweite Insektensterben ist in vollem Gange. So wie vielen Insekten geht es auch den Schmetterlingen nicht gut. Wir sprachen mit Magnus Wessel, Artenschutz-Experte des BUND e.V., über die Probleme der Schmetterlinge und was wir aus seiner Sicht tun können, um ihnen zu helfen.

In den letzten Jahren sind immer seltener Schmetterlinge zu sehe. Welches Ausmaß hat das Sterben der Schmetterlinge mittlerweile angenommen?

 

Die Schmetterlinge sind in der Tat auf dem Rückzug. Wir erleben das europaweit leider. Die Studien der letzten Jahre zeigen das sehr eindeutig. Das ist kein kurzzeitiger Trend, sondern das ist etwas was sich über die letzten zehn, zwanzig, dreißig Jahre zurückverfolgen lässt. Die Gründe liegen sehr offensichtlich in der Intensivierung der Landwirtschaft. Wir haben einfach viel weniger Blühpflanzen, draußen in der Landschaft und natürlich auch im städtischen Raum daran das Schottergärten und andere Versiegelung mehr und mehr zunehmen.

 

Die Jahreszeiten verschieben sich ja auch zunehmend. Wir haben immer heißere und trockenere Sommer. Welchen Einfluss hat das Klima auf die Schmetterlinge?

 

Das Klima hat sicherlich einen wesentlichen Einfluss. Jetzt muss man natürlich sehen, dass die Schmetterlinge evolutionsbiologisch schon ganz andere Dinge erlebt haben, als das, was sie momentan erleben. Insofern können sie wenn der Naturraum, ihr Lebensraum, passt und wenn genügend Futter da ist, darauf flexibel reagieren. Früher war es zum Beispiel ja so, dass die Futterpflanzen bei klimatischen Änderungen einfach an einer anderen Stelle wuchsen und entsprechend blühten und für den Nektar zur Verfügung standen und für die Raupen als Futter dienten. Das ist heute anders, weil der Mensch großflächig die Landschaft verändert hat und deswegen haben am Ende die Schmetterlinge im Klimawandel besonders dort ein Problem, wo wir als Mensch gravierend in die Landschaft eingreifen.

 

Wenn in den Medien oder der Politik vom Insektensterben gesprochen wird, wird oft die Biene als Symbolfigur in den Vordergrund gestellt. Welche Bedeutung haben die Schmetterlinge im Ökosystem?

 

Die Schmetterlinge ergänzen die Bienen natürlich an vielen Stellen. Sie dienen als wertvolles Futter für ganz viele Vogelarten zum Beispiel, sind aber auch ein bisschen bei der Bestäubung aktiv. Am Ende sind sie in einem komplexen Lebensnetzwerk eingebunden. Man kann aus diesem Netzwerk nicht einfach einzelne Teile rausnehmen und denken das Netzwerk bleibt stabil. So funktionieren keine ökologischen Systeme. Die können sehr flexibel reagieren. Gerade bei Insekten ist es ja so, dass Populationen von Jahr zu Jahr stark schwanken können. Wenn man dieses Jahr ein besonders feuchtes Jahr hat und nächstes ein besonders trockenes, verändert das die Population. Das wichtige ist, hat die Population über lange Zeiten eine Chance sich wieder zu erholen. Und da sind wir wieder beim Eingriff des Menschen in die Biotope da draußen.

 

Welche Folgen gibt es auch für uns Menschen wenn die Schmetterlinge weniger werden?

 

Als erstes Mal fehlt uns glaube ich allen etwas im Leben, wenn wir keine Schmetterlinge mehr hätten. Das muss man klar sagen. Fällt der Schmetterling fallen ganz schnell auch die Vögel und anderen Tiere. Es bricht also für uns Menschen etwas ganz wertvolles in den Nahrungsnetzen weg. Und damit natürlich auch ein Teil dessen, was uns allen Lebensqualität schenkt.

Unsere Mission: #rettedieschmetterlinge

 

Was können wir tun, um die Schmetterlinge zu schützen?

 

Es gibt drei einfache Sachen, die man selber zuhause schon machen kann. Das eine wäre, ich würde immer dazu raten Bio einzukaufen, wenn man es sich irgendwie leisten und organisieren kann. Denn dort werden so gut wie keine Pestizide eingesetzt, es wird mehr Rücksicht auf die Natur genommen und da tut man auf jeden Fall auch den Schmetterlingen was Gutes. Dann ist es natürlich für diejenigen, die einen Balkon oder einen Garten haben, wesentlich dort vor Allem heimische Pflanzen anzubauen, die sehr blütenreich sind, die den Schmetterlingen eine Option geben dort Futter und Nektar zu finden. Das heißt natürlich auch darauf zu verzichten, Schottergärten anzulegen oder die ganze Gegend zu planieren. Und der Giftverzicht insgesamt ist ein ganz wesentlicher Punkt. Pestizide haben weder im Garten noch auf dem Hausweg oder sonst wo etwas zu suchen.

 

Um auf die Bedrohung der Schmetterlinge aufmerksam zu machen, wird jedes Jahr ein Schmetterling des Jahres ernannt. In diesem Jahr ist das der braune Bär. Wer ernennt denn die Schmetterlinge des Jahres?

 

Der Schmetterling des Jahres wird von den Fachgesellschaften zu Schmetterlingskunde und dem BUND Nordrhein-Westfalen jedes Jahr ausgewählt. In diesem Jahr ist der Schmetterling deswegen besonders interessant, weil er einen weiteren wesentlichen Gefährdungsfaktor für Schmetterlinge mit in den Blick nimmt, nämlich die Lichtverschmutzung, dadurch das wir unsere Innenstädte erleuchten und Gebäude beleuchten. Zum Teil werden dann unnötigerweise Himmelstrahler eingesetzt, um auf Veranstaltungen oder anderes hinzuweisen. Dadurch beeinträchtigt man Schmetterlinge, gerade die Nachtschmetterlinge sehr intensiv und kann sogar ganze Populationen voneinander abschneiden, sodass sie sich nicht mehr austauschen können. Was wieder zu genetischer Verarmung und zu einer Krise für die einzelne Schmetterlingsart führt

 

Viele Schmetterlinge haben ja sehr außergewöhnliche Namen, wie zum Beispiel ja der braune Bär oder das Taubenschwänzchen. Wer vergibt denn diese Namen?

 

Die deutschen Namen sind tatsächlich mehr Volksmund. Das ergibt sich irgendwann über die Zeit, vielleicht hat irgendjemand eine gute Idee, ein Name bleibt hängen oder eine Ähnlichkeit ist irgendwie da. Beim Tagpfauenauge finde ich das besonders sichtbar, weil er die großen Augen auf den Flügeldeckeln hat. Da ist dann klar, woher der Vergleich mit dem Pfau kommt. Die eigentlichen Namen der Schmetterlinge sind natürlich wissenschaftliche. Die werden wissenschaftlich entsprechend vergeben und sind weltweit einzigartig, sodass man quer über alle Kontinente immer weiß, wenn man den wissenschaftlichen Namen benutzt ist es genau die Art und keine andere. Bei den deutschen Namen gibt es dann immer wieder den Volksmund, da gibt es Unterschiede in bestimmten Regionen Deutschlands im Zweifelsfall heißen sie dann in Österreich mal anders als im Ostteil Belgiens. Wenn man ganz sicher gehen will, dann muss man tatsächlich den wissenschaftlichen Namen verwenden.

 

Haben Sie persönlich einen Lieblingsschmetterling? Wenn ja, welcher ist das und was macht ihn aus?

 

Das ist wirklich schwer. Es heißt ja immer so schön, das die Evolution sich vor allem die Käfer und die Schmetterlinge ausgesucht hat für die Vielfalt. Bei den hiesigen ist das sicherlich der Perlmuttfalter, der gerne auch an Himbeeren frisst, deswegen sind auch Himbeeren im Garten immer eine gute Idee. Nicht nur zum Essen, sondern auch für die Schmetterlinge. Einfach weil er besonders schön schillert und tatsächlich einer der seltenen ist.

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