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Schmetterling in Not – Was tun?

Schmetterling in Not – Was tun?

Ein Schmetterling flattert über den Balkon. Der Blick bleibt an den kahlen vom Winter in Mitleidenschaft gezogenen Balkonkästen hängen. Nicht viel da, wo sich der Schmetterling niederlassen könnte. Müsste wirklich dringend neu bepflanzt werden, denke. Aber womit? Geranien vielleicht?

„Da haben Sie den ganzen Sommer was davon“ höre ich den Baummarktverkäufer. Aber immer das Gleiche? Und sind Geranien eigentlich wirklich nützliche Balkonpflanzen? Also Kaffee weg und recherchieren.

 

Weit verbreitete und beliebte Pflanzen, wie zum Beispiel eben die Geranie, der Deutschen liebste Balkonpflanze, sind für Schmetterlinge offenbar ein absolutes No-Go. Die richtige Bepflanzung ist also nicht nur eine ästhetische Frage, sondern sollte vor allem und in erster Linie für Insekten gut sein. Denn von denen gibt es immer weniger. Besonders betroffen sind hier eben auch die Schmetterlinge. Von 3500 heimischen Arten sind 50 % bedroht. Bekannte Falter wie das Kleine Ochsenauge oder der Große Fuchs stehen mittlerweile auf der Roten Liste und gelten als gefährdet.

 

Gefährdete Arten sind:

 

  • Feuriger Perlmutterfalter
  • Storchschnabel-Bläuling
  • Weißer Waldportier
  • Mohrenfalter
  • Segelfalter
  • Braunscheckauge
  • Großer Feuerfalter

    Feuriger Perlmuttfalter

 

Warum sind die Schmetterlinge gefährdet?

 

Landwirtschaft

 

Schmetterlinge lieben die Vielfalt. Die Monokulturen der Landwirtschaft bieten dabei nicht genügend Abwechslung. Die intensive Bewirtschaftung der Flächen hat in den letzten Jahren dazu geführt, dass die Ackerränder verschwunden sind. Sie aber waren das Biotop für Insekten und eben auch für Schmetterlinge. Jetzt aber finden nicht alle Schmetterlingsarten ausreichend Nektar. Werden dann auch noch Pestizide eingesetzt, hat der Schmetterling keine Chance mehr. Er wird vergiftet und stirbt.

 

  • 50 % der Fläche Deutschlands sind landwirtschaftlich genutzt.
  • Die Zahl der Schmetterlinge im Umkreis von landwirtschaftlichen Nutzflächen ist um zwei Drittel geringer als in Umgebung von unbebauten Wiesen.
  • Jährlich werden bis zu 40.000 Tonnen Pestizide in Deutschland eingesetzt.

 

Klimawandel

 

Die anhaltende Erderwärmung macht den Schmetterlingen schwer zu schaffen. Viele können ihre Körpertemperatur nicht selbst regulieren und werden durch zu viel Hitze geschwächt. Vor allem die dunklen Schmetterlingsarten haben hier große Probleme. Ein heller Zitronenfalter zum Beispiel kann sich an die Temperaturen relativ gut anpassen, ein dunkler Admiral dagegen nicht. Hinzu kommt, dass durch Trockenperioden Pflanzen vertrocknen und so nicht mehr für die Raupen und als Nektarquelle zur Verfügung stehen. Auch für die Schmetterlinge müssen wir unseren CO2-Fußabdruck minimieren.

 

Verstädterung

 

In unseren Städten gibt es zu wenig Grünflächen. Überall wird gebaut, betoniert und asphaltiert. Aktuell sind ungefähr 45 % der Verkehrs- und Siedlungsflächen in Deutschland versiegelt. Und das wird jährlich mehr.

  • In den 26 Jahren von 1992 bis 2018 wurden 4.622 km² des Bodens in Deutschland versiegelt.
  • Pro Jahr nimmt die Versiegelung um rund 178 km2 zu. Das entspricht ungefähr der Fläche von Potsdam.
  • Verkehrsflächen sind zu 50-70 % versiegelt und machen den größten Anteil dieser Flächen aus.

 

Welchen Folgen hat das Schmetterlingssterben?

 

Schmetterlinge leisten einen wichtigen Beitrag zur Einhaltung der Balance des Ökosystems. Sie sorgen dafür, dass das Wasser sauber und der Boden fruchtbar bleibt. Sie bestäuben die Pflanzen, die die Nahrungsgrundlage für uns Menschen sind. Aufgrund ihrer speziellen Form können einige Pflanzen nur ausschließlich von Schmetterlingen befruchtet werden, z.B. Kaffee. Ein Großteil meines Frühstücks würde ohne die Schmetterlinge so einfach nicht mehr existieren. Auch das eine andere T-Shirt würde nicht mehr in meinem Schrank hängen, denn die Baumwolle wird von Schmetterlingen bestäubt. Sterben sie, gibt es nichts mehr anzuziehen.

 

Was können wir tun?

 

Wie war das nochmal mit den Geranien? Die Geranien sind alles andere als geeignet, um den Balkon zu verschönern. Durch gefüllten Blüten kommen die Schmetterlinge an den Nektar nicht heran.

Auch andere Zierpflanzen, wie Hortensien, Petunien oder Dahlien haben für Schmetterlinge nichts zu bieten. Selbst der als Schmetterlingsbaum bekannte Sommerflieder stößt Schmetterlinge ab, weil sein Nektar bitter ist.

 

Dagegen sind für die Raupen als auch die Schmetterlinge Brennnesseln und Disteln perfekt. Den Begriff Unkraut kann man spätestens jetzt also streichen. Die vermeintliche Schönheit einer Pflanze hat nichts mit ihrem eigentlichen Wert für das Ökosystem zu tun. Unkraut ist nicht gleich Unkraut.

Perfekt für den Balkonkasten sind Lavendel, Phlox und Sonnenhut. Sie ziehen Schmetterlinge magisch an. Grund genug den immer gleichen langweiligen Geranien den Kampf anzusagen. Lange Blütezeit hin und her. Die wahre Stärke steckt nicht im Aussehen einer Pflanze, sondern im Inneren.

 

Aber nicht nur der Balkon kann schmetterlingsfreundlich bepflanzt werden, sondern auch einiges direkt vor der Haustür. Wer in der Stadt lebt, muss nicht darauf verzichten sich gärtnerisch auszuleben. Mit Urban Gardening, bei denen Baumringe oder Straßenrand begrünt werden, tragen dazu bei, die Asphaltwüste aufzubrechen und schmetterlingsfreundlicher zu machen. Auf diese Weise blühen Städte ganz neu auf.

 

Fazit

 

Mit einfachen Mittel kann jeder etwas für die Schmetterlinge tun. Wir haben die wichtigsten Tipps zusammengefasst:

 

  • Mut zum Unkraut: Brennnesseln und Distel sind wertvolle Pflanzen für Schmetterlinge.
  • Auf Zierpflanzen, die wenig bis keinen Nektar produzieren, im eigenen Beet verzichten.
  • Den Rasen nicht zu kurz und oft mähen. Das schafft Schattenplätze für die Schmetterlinge.
  • Vielfalt ist wichtig! Ein buntes Wildblumenbeet zieht Schmetterlinge an.
  • Gartenbau ist überall möglich. Auf Grünflächen in der Stadt kann jeder kreativ werden und schmetterlingsfreundliche Blumen pflanzen.
  • Geranie und Co. auf dem Balkon ersetzen durch Lavendel und Phlox.
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