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Urwald in Deutschland?

Urwald in Deutschland?

Mammutbäume und Lianen – das verbinden viele mit dem Begriff ,,Urwald”. Den gibt es aber auch bei uns. Okay, das ist kein tropischer Regenwald. Trotzdem gibt es auch hier vom Menschen unberührten Wald. Allerdings nur 3%. Was ist passiert?

 

Um etwas über deutsche Urwälder zu erfahren, müssen wir nach Bayern. Im Nationalpark Bayerischer Wald gibt es Schutzgebiete, deren Wald vor über 200 Jahren entstanden ist. Mit ein paar Jahrmillionen ist der Amazonas Regenwald zwar etwas älter, aber immerhin, es gibt ihn in Deutschland – Urwald. Ein weiteres Stückchen davon gibt es im Grumsiner Forst, in der brandenburgischen Schorfheide. Hier wurde seit 75 Jahren nicht mehr geforstet. Der Anteil an unberührten Wäldern ist jedoch verschwindend gering. Wo ist also der ganze Urwald hin?

 

Die erste Waldvernichtung

 

Das Mittelalter war gar nicht immer so düster und dunkel, wie es gerne mal beschrieben wird. Es war vor allem geprägt von Bevölkerungswachstum und rasanten wirtschaftlichen Entwicklungen. So kam es dazu, dass im Hochmittelalter viele Städte gegründet wurden. Um diese zu bauen, brauchte es wiederum Rohstoffe und sehr viel Platz – die Bäume mussten weichen und gleichzeitig als Baustoffe herhalten. 

 

Zu dieser Zeit sind auch verschiedenste handwerkliche Berufe entstanden. Das Zusammenleben und die Bedürfnisse der Menschen wurden immer komplexer. Holz wurde u.a. als Bauholz und Brennmaterial eingesetzt und somit immer wichtiger.

 

Im Mittelalter gab es also die erste gravierende Waldvernichtung. Der Wald wurde nachhaltig geschädigt, weil er auch nicht wieder aufgeforstet wurde. Es wenn, dann entstanden ausschließlich Nutzwälder und auch die wurden immer weniger.

Das machte sich dann im 17. und  18. Jahrhundert bemerkbar. Das kostbare Holz ging langsam aus und die blühende Wirtschaft drohte Schaden zu nehmen. 

 

 

,,Nicht mehr Holz fällen, als nachwächst”

Carl von Carlowitz

 

Dieser Satz stammt nicht etwa von der Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner. Nein, nein … das Zitat ist von 1713 und Carl von Carlowitz, dem Verfasser der ersten Forstwirtschaft und hat als erster so etwas wie einen forstlichen Nachaltigkeitsbegriff geprägt. 

 

Es war DIE Antwort auf die europäische Holzkrise. Und der Anfang der nachhaltigen Konzepte. Von wegen “Cradle-to-cradle” – von Carlowitz hat’s vorgemacht. Bis heute wird das Prinzip, nicht mehr Bäume zu roden als nachwachsen, in den meisten Industrieländern verfolgt. Dadurch hat sich die Waldfläche damals wieder vergrößern können und sorgt heute für eine stabile Bewaldung in ganz Europa.

 

Infografik zur globalen Entwicklung von Waldflächen

 

Grünes Deutschland?

 

Dank einer nachhaltigen Forstwirtschaft konnte die Waldfläche seit dem Zweiten Weltkrieg nochmal deutlich zunehmen. Mittlerweile entspricht der Anteil an Waldfläche in Deutschland einem Drittel der Gesamtfläche. Im mitteleuropäischen Vergleich ist das sehr viel.

 

Nur leider handelt es sich eben nicht um Urwald. Auch heute noch wird der absolute Großteil an Wäldern forstwirtschaftlich genutzt. Bäume werden gepflanzt, um Holz zu gewinnen. Und das möglichst effizient. Nur hat das Auswirkungen auf das Ökosystem Wald. Es wird sensibler und somit auch anfälliger für Waldbrände und Insekten, die die Bäume schwächen.

 

In den 70er und 80er Jahren gab es hitzige Diskussionen über ein Waldsterben. Eure Eltern werden euch vielleicht davon erzählt haben. Entweder davon, wie die Wälder sich verändert haben und die Luft früher schlecht war. Oder vielleicht haben sie auch gesagt, dass das damals alles eine große Hysterie war. 

 

Kraftwerke und Industrie haben damals ungefiltert Schwefeldioxid (SO2) ausgestoßen. Durch diesen Schadstoff hat sich sogenannter „saurer Regen“ entwickelt, der Wälder und Grundwasser schädigte. Man sprach von einem drohenden Waldsterben. Bilder von riesigen Flächen kaputter Bäume vor allem an den Hängen des Mittelgebirge sind durch die Medien gegangen. Um das aufzuhalten, wurden hocheffiziente Rauchgasentschwefelungsanlagen gefordert. Mit anderen Worten: eine Art Filter sollte in Kraftanlagen eingebaut werden, so dass weniger Schwefeldioxide  austreten konnte. 

 

,,Grüne Schreckens-Politik“

 

Die Wirtschaft aber hatte gewarnt: Verlust von Arbeitsplätzen, teurer Strom, der zu einer Deindustrialisierung führen würde und ein Abwandern der Betriebe ins Ausland. Dennoch hat sich das Gesetz für die “Rauchgasentschwefelungsanlagen” durchgesetzt. Die Luftqualität hat sich nachweislich verbessert und nicht nur der Wald konnte sich dadurch regenerieren. Auch Krankheiten, die durch die SO2-Belastung aufgetreten sind, gingen zurück

 

Und siehe da – keines der Schreckensszenarien der Wirtschaftslobby ist eingetreten! Das Märchen einer grünen Schreckens-Politik hat sich nicht bewahrheitet. Auch heute wird oft behauptet, dass Maßnahmen für Umwelt- und Klimaschutz dem Wirtschaftswachstum schaden würden.

 

Brauchen wir mehr naturbelassene Wälder?

 

Im Jahr 2007 hat sich die Bundesregierung das Ziel gesetzt, fünf Prozent der Waldfläche bis 2020 in naturbelassene Gebiete umzuwandeln. Also in Wald ohne forstwirtschaftliche Nutzung. Das hat nicht ganz geklappt. Die letzten veröffentlichten Zahlen stammen aus 2019. Laut Bundesamt für Naturschutz sind 2,8% der Waldfläche Naturwald. 2018 seien es aber noch unter einem Prozent gewesen.

 

Ob das der einzige Weg ist, den Wäldern zu helfen, ist nur schwer zu beantworten. In der Forstwirtschaft gibt es eine Diskussion darüber, ob die Wälder wirklich sich selbst überlassen werden sollten, oder ob der Mensch nachhelfen sollte. Auf der einen Seite steht das Argument, der Wald könne sich als Ökosystem selbständig am besten regenerieren. Zu lange hätte der Mensch da mitgemischt, jetzt ist es an der Zeit ihn in Ruhe zu lassen.

Auf der anderen Seite steht das Argument, dass wir unbedingt Holz brauchen. Und damit auch Nutzwälder. Das sich ändernde Klima hat ebenfalls einen großen Einfluss auf das Ökosystem Wald. Einige Stimmen sprechen sich deswegen dafür aus, Bäume zu pflanzen, die weniger empfindlich auf Klimaschwankungen reagieren würden. Superbäume sozusagen.

 

Wir haben bei dem Forstingenieur Peter Naumann vom Bergwaldprojekt#klimaschlau nachgehakt”. Er ist Forstingenieur und glaubt, dass die Naturwälder vor allem wichtig seien, um von ihnen zu lernen. Dennoch brauchen wir auch viele Nutzwälder. Der Bedarf an Holz sei sehr hoch.

 

“Der Weg der Mitte, dass man Schutz, Nutz und Erholungsfunktion zusammenführt, dass man Wälder möglichst naturnah bewirtschaftet, aber eben auch ganz natürliche Prozesse ablaufen lässt. (…) Das ist eigentlich der Königsweg.” 

Peter Naumann, Forstingenieur

 

Seid gespannt auf eine neue Folge “#klimaschlau nachgehakt”!

 

FUTURE LEAF Tipp

 

Wart ihr schonmal in einem Urwald? Dafür müsst ihr nicht ganz nach Brasilien reisen! Nur 75 Kilometer von Berlin entfernt, könnt ihr den Grumsiner Forst besuchen. Alleine kommt ihr nicht ganz bis in das Naturschutzgebiet hinein. Es gibt aber geführte Touren, bei denen ihr sogar den “Urwald” erkunden könnt.

Oder ihr schaut im Nationalpark Bayerischer Wald vorbei. Hier könnt ihr in eines der Urwaldgebiete sogar allein wandern gehen. Gerade im bunten Herbst ist ein Waldspaziergang besonders schön!

 

Dein FUTURE LEAF-Team

 

Das hier ist kein Werbepost – sondern Teil der FUTURE LEAF Mission: Wir sammeln die besten klimaschonenden Ideen und Lösungen aus dem Internet und machen Sie für unsere junge Community sichtbar! #klimaschau #FutureLeafMission

 

Darum schreiben wir den Artikel:

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