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Der Wald von morgen

Der Wald von morgen

Es gab schon einmal große öffentliche Aufregung um den Wald in Europa. Das war in den 1980iger Jahren. Damals führte saurer Regen dazu, dass große Teile des Waldbestandes abstarb. Man sprach von Waldsterben, so dramatisch war die Situation, und “le Waldsterben” schaffte es sogar in die französische Sprache. 

 

Saurer Regen

Die Ursache war damals saurer Regen, verursacht durch Schwefeldioxid. Das wurde durch die Industrie reichlich in die Luft geschleudert. Hier verband es sich mit dem Wasserstoff zu Schwefelsäure und kam als sogenannter saurer Regen wieder zurück. Mit der Zeit wurden die Böden immer saurer und verursachten erhebliche Schäden vor allem an den Bäumen.

Die Industrie reagierte zunächst mit Untergangsszenarien der Wirtschaft. Unter Druck baute man Filteranlagen ein. Und siehe da, Kein einziges Unternehmen ging pleite, weil es sein Schwefeloxid reduzierte. Und die Wälder erholten sich.

Doch ein anderes Problem blieb bestehen. Die wieder aufgeforsteten Flächen wurden oft wieder reine Monokulturen. Schnellwachsende Kiefernwälder. Anfällig gegen Trockenheit und Ungeziefer.

 

Viele Jahrzehnte später stehen wir wieder vor dem gleichen Problem: “le” Waldsterben. Und das in einer noch größeren Dimension. Jetzt ist es der Klimawandel, der unseren Wäldern zu schaffen macht. Weniger Niederschläge – oder wenn, dann Starkregen, die an der Oberfläche abfließen und das Grundwasser nicht auffüllen – und heißere Sommer. Nicht jede Baumart, die bei uns wächst, hält diesen neuen Bedingungen stand.

 

Blei in Kraftstoffen

 

Ein zweites Problem der 80iger und auch 90iger Jahre war eine starke Luftverschmutzung durch bleihaltiges Benzin. Das Blei wurde durch die Abgase der Autos in die Luft geballert und lagerte sich in den oberen Schichten der Böden ab. Und auch durch diese bleihaltige Luft, die über den Regen assimiliert und den PH-Wert ansteigen ließ, waren die Böden viel zu sauer. Die Bäume starben ab.

Durch großflächige Untersuchungen zwischen 1987 und 1992 wurde damals der Waldschadensbericht beim Umweltbundesministerium vorgelegt. Damals eine wichtige Konsequenz: das Verbot von bleihaltigen Kraftstoffen. Heute für Autofahrer eine Selbstverständlichkeit. Damals eine wirklich große Aktion, die den Wäldern auch gut bekam.

 

Nutzwälder und der Klimawandel

 

Doch es kamen andere Probleme hinzu: z.Bsp. der Ausbau von Straßen durch Waldgebiete hindurch und Wege innerhalb der Waldflächen zum Abtransport des Nutzholzes. Dadurch wurden die zumeist großen Flächen zerschnitten. Starke Winde konnten so die Wälder regelrecht absägen.

Und – sehr viel wärmere Temperaturen und weniger Regen! Die Klimaerwärmung macht unseren Wäldern, die Wärme nicht so lieben und nasse Füße brauchen, sehr zu schaffen. Nach dem letzten Waldzustandsbericht der Bundesregierung von 2007 sind  drei Viertel der deutschen Wälder sichtbar geschädigt (Schadstufen 1 – 4). Der Anteil schwerer Schäden liegt bei 25 Prozent.

 

“Mit dem Einsetzen des Klimawandels hat sich die Situation erheblich verschärft. Baumarten, die bisher an ihren Standort gut angepasst waren, geraten schon jetzt und erst recht in Zukunft an die Grenzen ihrer Möglichkeiten.”

Christian Kölling, LWF

Was wächst da in unserem Wald?

 

In Deutschland wachsen 90 Milliarden Bäume. Die meisten bilden davon große Wälder, die bewirtschaftet werden. Was bedeutet, dass da kein Baum einfach so per Zufall angesiedelt ist, sondern als eine Art Plantage zur Abholzung angepflanzt wird. Wird ein Baum gefällt, weil er alt genug ist und für die Holzverarbeitung gebraucht wird, kommt ein neuer.

Vorwiegend waren das in der Vergangenheit Fichten und Kiefern. Doch Hitze, Stürmen, Trockenheit und Schädlingen halten diese Waldkulturen immer weniger stand. Und auch den Kollegen geht es nicht gut. Die Eiche wird vom Eichenprozessionsspinner regelrecht zerfressen. Die Ulmen und Kastanien sterben jede an einem Pilz.

 

Deswegen werden in Mitteleuropa die Wälder umgebaut. Weg von der Monokultur Kiefernwald. Hin zu mehr Laubwäldern. Die Folge sind dickere Humusschichten der Böden. Denn die Laubblätter zerfallen sehr viel schneller als Nadeln. So wandern wichtige Nährstoffe früher in die Mineralböden. Und hier werden diese dann langfristig gebunden.

 

Waldumbau – eine Generationenaufgabe

 

Ohne Zweifel müssen unsere Wälder an die sich verändernden Klimabedingungen angepasst werden. Das aber braucht seine Zeit. Und noch ist auch zwischen Fachleuten nicht ganz klar, ob dafür der Wald einfach sich selbst überlassen werden soll. Oder ob er durch uns Menschen Nachhilfe bekommt, in dem wir die unserer Meinung nach richtigen Baumarten anpflanzen.

Es gibt inzwischen entsprechende Projekte, die das sozusagen wie in einem Labor austesten. Das braucht natürlich Zeit, die wir eigentlich nicht haben. Die Lösung: Wir lassen einfach beides zu. Einige Forstwirtschaftler lassen den Wald in Ruhe und andere, die bauen den Wald bewusst um.

 

Zwei Wege, die Wälder umzubauen:

 

  1. Naturverjüngung: Aus den Samen der bestehenden Bäume entsteht die nächste Baumgeneration. Dabei werden gewünschten Baumarten durchaus unterstützt durch waldbauliche Maßnahmen und es findet eine waldfreundliche Jagd statt. Der Vorteil: Bäume entwickeln im Allgemeinen bessere Wurzeln, haben damit mehr Halt im Boden und wachsen besser. Außerdem kann auf teure Pflanzungen verzichten werden. Im Bayerischen Staatswald werden etwa zwei Drittel der Verjüngungsflächen so bewirtschaftet.
  2. Künstliche Verjüngung: Durch einen gezielte Bepflanzung oder auch Saat werden die Wälder aufgeforstet. Die Methode ist teuer, hat aber den Vorteil, dass neue Baumarten in den vorhandenen Baumbestand integriert werden können. Es können so ganz neue Mischwälder entstehen, die sich den veränderten Umweltbedingungen  besser anpassen können. Vor allem bei größeren sogenannten Schadflächen wird diese Methode angewendet, um schnell wieder Nutzholz zu haben.

Egal welche der beiden Methoden – so oder so braucht es Zeit, bis aus einem Samen oder einem Setzling ein stattlicher Wald herangewachsen ist.

Daneben hat das  Bundesumweltamt diese fünf Grundsätze eines Waldumbaus veröffentlicht:

 

  • trockenheitstolerantere Baumarten zu pflanzen,
  • Wasserspeicherfähigkeit der Waldböden verbessern,
  • Baumarten mit unterschiedlichen Ansprüchen und Eigenschaften (etwa Bäume mit tieferen und flacheren Wurzelsystemen) zu mischen,
  • Waldzustand, Schadensrisiko und Schädlingssituation zielgerichtet zu analysieren (Waldschutzmonitoring),
  • die Waldhygiene deutlich zu intensivieren (zum Beispiel rasche Beseitigung von Brutmaterial für Schader
  • reger).

Wie auch immer wir es betrachten – so oder so braucht es Zeit, bis aus einem Samen oder einem Setzling ein stattlicher Wald herangewachsen ist. Und auch dieser braucht unsere ganze Aufmerksamkeit und Hingabe. Mit ihren großen Kronen filtern Laubbäume die Schadstoffe aus der Luft und sorgen mit ihrem Blattwerk für Sauerstoff. Daher braucht es Menschen, die den Umbau unserer Wälder vorantreiben und uns, die wir solche Projekte unterstützen. Allerdings nur die Richtigen!

 

 

 

 

Achtung! Greenwashing-Projekte

 

Leider tauchen aber gerade hier auf Grund der starken Öffentlichkeit  in letzter Zeit immer wieder auch  Greenwashing-Projekte auf, wie das Beispiel vom Flughafen München. 1.900 Hektar Klimawald sollten in einigen Jahren jährlich 7.000 Tonnen Co2 absorbieren. Hört sich erstmal gut an. Der Bund Naturschutz zweifelt diese Wirksamkeit allerdings an.

Genauso wie bei der Jeans, die jetzt plötzlich Klimaneutral ist, weil drei Bäume gepflanzt wurden. Vorsicht vor solchen Klimaschutz-Versprechen mancher Unternehmen. Da ist viel Marketing im Spiel. Wirklich nachprüfen lässt sich nämlich nicht, ob der Baum wirklich gepflanzt wurde. Und – der Kauf der neuen Jeans kann ganz andere Umweltprobleme mit sich bringen: “So viel Durst hat die Jeans” . Ein neuer Wald hilft da wenig.

 

Sichere CO2-Zertifikate

 

Aber auch als Privatperson kann ich  solche CO2-Zertifikate erwerben, wodurch mein CO2-Verbrauch durch das Anpflanzen von Bäumen wieder wett gemacht wird. Allerdings Augen auf, welche Projekte hier wirklich nachhaltig sind. Eine Hilfe ist dabei zum Beispiel Siegel wie der Gold Standard und der Verified Carbon Standard. Durch diese Siegel kann man erfahren, wie nachhaltig die Organisationen oder die Projekte sind, die ein solches Angebot machen.

 

Dein FUTURE LEAF-Team

 

Das hier ist kein Werbepost – sondern Teil der FUTURE LEAF Mission: Wir sammeln die besten klimaschonenden Ideen und Lösungen aus dem Internet und machen Sie für unsere junge Community sichtbar! #klimaschau #FutureLeafMission

 

Darum schreiben wir den Artikel:

Kein Greenwashing 

Produktnamen sind ausgewählt und stellen keine Werbung dar.

Wir arbeiten nach journalistischen Qualitätskriterien des Bundespressegesetz. 

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