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So viel Durst hat die Jeans

So viel Durst hat die Jeans

Was tragen wir fast täglich und ist aus unserem Kleiderschrank nicht mehr wegzudenken? Richtig, die Jeans. Wir können sie zu allem kombinieren. Ob leger, zum Chillen oder auf einer Party – mit einer Jeans kreiert man immer einen passenden Look. Wir haben das beliebte Kleidungsstück mal genauer unter die Lupe genommen und herausgefunden: Die Jeans ist ganz schön durstig!

 

Die Reise der Jeans

 

Mittlerweile bietet fast jede Modemarke ihre eigene Jeans an. Dabei ist von boyfriend bis skinny fit alles dabei. Doch weißt du, wo deine Hose herkommt? Wahrscheinlich nicht, denn wir können den Weg unserer Kleidung kaum noch nachvollziehen. Schauen wir auf’s Etikett, steht da: “Made in Germany”. Das bedeutet also, dass ich regional kaufe. Falsch!

 

Von der Baumwollplantage bis in den Laden legt die Jeans nämlich einige Kilometer zurück.

 

    1. Kasachstan: Hier wächst die Baumwolle auf riesigen Plantagen, wo sie auch geerntet wird
    2. Türkei: In Spinnereien wird die Baumwolle zu Fäden verarbeitet
    3. Taiwan: In Webereien wird nun der Jeansstoff hergestellt
    4. Polen: Dort bekommt die Jeans mithilfe von Chemikalien ihre indigoblaue Farbe
    5. Bulgarien: Die Jeans wird zum tragen angenehm gemacht
    6. China: Knöpfe aus Italien und Stoffe aus der Schweiz werden der Hose angenäht
    7. Frankreich: Hier wird die Jeans zum Verkauf fertig gemacht – also 8-10x gewaschen, damit sie auch den gewünschten Look erhält
    8. Deutschland: Nun ist sie am Ziel und kann im Laden verkauft werden

 

Da in unserem Beispiel das Label in Deutschland in die Hose eingenäht wird, bekommt die Hose damit den Stempel “Made in Germany”. Im Laden angekommen, hat sie aber mehr als 50.000 km zurückgelegt. Das ist 8x die Strecke von Berlin nach New York! Auf ihrem Weg gelangen ca. 30 kg CO2 pro Jeans in unsere Atmosphäre!

 

Wer arbeitet an der Jeans?

 

Designt wird die Hose dort, wo die Marke ihren Sitz hat. Allerdings wird sie dort nicht produziert. Sondern dort, wo es billige Arbeitskräfte gibt – um eben um Geld zu sparen. Und die finden die Unternehmen in den armen Dritte-Welt-Ländern. Dort arbeiten Frauen und noch immer Kinder unter unmenschlichen Arbeitsbedingungen, um unsere Jeans herzustellen.

 

    • Auf den Plantagen werden Pestizide eingesetzt. Diese werden eingeatmet, wodurch die Arbeiter erkranken können.
    • Gefährlich werden kann auch der so beliebten “Used-Look”. Um diesen zu erzeugen, wird feiner Sand mit Hochdruck auf die Jeans gesprüht. Das Verfahren ist sehr umstritten und in einigen Ländern bereits verboten. Denn der Sand setzt sich auf den Lungen ab mit der Folge, dass sich eine Staublunge entwickeln kann. Diese Krankheit ist nicht heilbar.
    • In einigen Ländern werden bereits Maschinen bei der Baumwollernte eingesetzt. Oft müssen aber billigere Arbeitskräfte per Hand pflücken – allerdings ist das Verfahren auch ökologischer. Würde gerechter entlohnt werden, wäre die Hose dann zwar teurer, aber Mensch und Natur würden profitieren.

 

Wer verdient an so einer Hose?

 

Das erschreckende: Die Arbeiter bekommen gerade mal 1%! Das reicht oft nicht zum Leben. Danach kommen die Transportkosten mit 11% und die Materialkosten mit 13%. Ein Gewinner ist die Marke selbst mit 25%. Mit 50% verdient der Einzelhandel mit Abstand am meisten an der Jeans.

 

Baumwolle und Baumwollplantagen

 

Alles gut, meine Hose ist aus Baumwolle. Das ist ein Naturprodukt, also ökologisch! Richtig? Leider nicht. Denn herkömmliche Baumwollplantagen sind alles andere als umweltfreundlich.

 

    • Baumwolle braucht viel Sonne. Deswegen wird sie in sehr warmen Ländern angebaut, die sowieso schon an Wassermangel leiden. Oft werden deshalb ganze Flüsse umgeleitet, um die Baumwollplantagen zu bewässern.
    • Die Pflanzen wachsen auf riesigen Plantagen in Monokulturen, also ohne andere Pflanzen. Monokulturen sind sehr anfällig für Schädlinge. Um diese zu schützen, werden Pestizide eingesetzt.
    • Diese Pestizide und Chemikalien gelangen in Boden, Luft und Grundwasser, weshalb es zur Wasserverschmutzung kommt. Nicht umsonst  werden die nahegelegenen Flüsse häufig als „tot“ bezeichnet.
    • Beim Waschgang der Hosen wird durch Chemikalien z.B. die Farbe ausgewaschen. Diese gelangen dann ins Abwasser. Fehlen moderne Kläranlagen, breiten sich die Chemikalien im Grundwasser aus. Manchmal ist die blaue Farbe der Jeans in den Flüssen zu sehen.
    • Eine Jeans schluckt so ca. 8.000 Liter Wasser, das sind 53 Badewannen voll Wasser!

 

Was aber tun, wenn mir meine Jeans nicht mehr gefällt?

 

Wenn man eine Jeans nicht mehr mag, kann man viel mit ihr anstellen und sie nicht einfach sofort entsorgen:

 

  1. weiterverkaufen oder verschenken
  2. selber pimpen oder pimpen lassen, so dass sie einem wieder gefällt
  3. in einen Altkleidercontainer werfen (allerdings nicht so gut)

 

Einmal im Altkleidercontainer, tritt die Jeans ihre nächste lange Reise an. Denn von dort aus kommen die Klamotten erstmal in die Niederlande, wo sie sortiert werden. Von hier aus geht es weiter nach Afrika mit einem Schiff. Dort wird sie an die afrikanische Bevölkerung weiterverkauft. Das bedeutet häufig das Aus für afrikanische Textilunternehmen. Sie gehen pleite. Bis hierhin legt die Jeans weitere 8.000 km zurück. Insgesamt sind das also mehr als 58.000 km!

 

Bio-Baumwolle und umweltfreundliche Jeans

 

Was ist Bio-Baumwolle? Ganz einfach: Baumwolle, bei der keine Pestizide, kein Düngemittel und keine Gentechnik eingesetzt wurde. Neben der Baumwollpflanze müssen auch andere Kulturen angebaut werden – eben damit sie nicht so anfällig für Schädlinge sind. Außerdem wird die Bio-Baumwolle von Hand geerntet, da chemischen Mittel, die bei der Ernte durch Maschinen eingesetzt werden, verboten sind.

Viele Modefirmen haben bereits erkannt, dass sich etwas ändern muss. Dementsprechend haben sie Konzepte entwickelt, so dass die Jeans kein Umweltsünder mehr ist.

 

Levi´s hat z.B. das Water<Less Prinzip. Das Ziel: ausgefallene Looks mit wenig Wasser zu kreieren. Dafür haben sie mehrere Techniken entwickelt. Eine von ihnen ist ein Fingerhut voll mit Wasser und etwas Ozon, um kein Waschmittel zu verwenden. Damit kein Weichspüler zum Einsatz kommt, wird die Jeans mit Flaschendeckeln und Golfbällen ohne Wasser geschleudert. Im Jahr 2017 hat Levi’s bereits 55% der Jeans mit ihren Water<Less Technologien produziert – und sie arbeiten weiter daran.

 

Auch Tommy Hilfiger ist mit seinem 100% recyceltem Denim auf den umweltfreundlichen Zug aufgesprungen. Dabei wird weniger Wasser und Energie verbraucht, die Jeans haben nachhaltigere Schnitte. Und: die Jeans sind aus 100% recycelter Baumwolle.

 

Was geändert werden muss!

 

Hier gibt es einige Baustellen. Gut ist schonmal, dass die Modebranche das Problem erkannt hat. Manche Labels tun auch schon etwas aktiv dafür.

 

  • weniger Wasserverbrauch
  • weniger Wasserverschmutzung, z.B. durch Kläranlagen, vorbeugen
  • auf Bio-Baumwolle umsteigen
  • beim Kreieren der Looks auf wassersparende und chemikalienfreie Methoden umsteigen
  • gute Arbeitsbedingungen und höhere Löhne

 

Wenn das alles eingehalten wird, sind wir auf einem guten Weg. Das wird die Jeans dann allerdings auch vielleicht teurer machen. Dann gilt für uns Verbraucher: Wenn wir eine Jeans kaufen, dann lieber für mehr Geld. Zwar haben wir dann nur 2-3 statt 10 Jeans im Schrank, diese sind aber auch robuster und langlebiger. Vielleicht können wir das sogar besser mit unserem Gewissen vereinbaren.
Außerdem: Wenn euch eine Hose nicht mehr gefällt, sie aber noch inTakt ist, dann ab damit in den Second Hand und weiterverkaufen. So wird das Taschengeld aufgebessert und auch die Produktion neuer Kleidungsstücke reduziert.

Was hat das mit dem Eisbären zutun?

 

Wie wir bereits wissen ist der Eisbär durch den Klimawandel gefährdet. Je wärmer es wird, desto mehr und vor allem schneller verschwindet das Packeis, der Lebensraum der Eisbären. Durch die Modeindustrie wird sehr viel CO2 ausgestoßen. Das trägt zum Treibhauseffekt bei und somit auch zur Erwärmung unseres Planeten. Außerdem könnte sich die Wasserverschmutzung durch Chemikalien negativ auf die Weltmeere auswirken. Reichern sich diese an, werden unsere Meere nicht mehr zu retten sein. Doch wir können etwas tun. Wir haben noch mehr zum Thema Saisonwechsel im Kleiderschrank herausgefunden und was du tun kannst.

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