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Die Kunstfaser und das Mikroplastik

Die Kunstfaser und das Mikroplastik

Zu einem  perfekten Look gehört natürlich noch ein passendes Oberteil. Von Hoodie über Hemden bis hin zu Tops kann alles dabei. Schauen wir dann ins Etikett, steht dort nicht nur “Baumwolle”, sondern Polyester oder Elastan – Kunstfaser. Doch was hat das mit Mikroplastik zu tun?

 

Was für Stoffe sind in meiner Kleidung?

 

Bestimmt hast du schon mal in dein Lieblingsoberteil geschaut und musstest feststellen, dass es nicht zu 100% aus Baumwolle besteht. Kein Wunder – denn durch die Fast-Fashion-Industrie wird unsere Kleidung immer billiger und somit auch der Stoff, aus dem sie hergestellt wird.

 

 

Woraus besteht unsere Kleidung?

 

  1. Baumwolle: Zwar ist das ein natürliches Produkt, allerdings gibt es auch hier große umweltschädigende Probleme. Chemikalien werden eingesetzt, Wasser wird verschmutzt, Arbeiter werden ausgebeutet. Besser: Bio-Baumwolle. Mehr dazu findest du im Artikel “So viel Durst hat die Jeans”.
  2. Polyester: Ohne Polyester würde es gar nicht so viel neue und preiswerte Kleidung geben. Mittlerweile besteht 60% unserer Kleidung aus Polyester. Denn der Stoff ist eine billige Kunstfaser, die einfach zu produzieren ist. Sie wird aus Erdöl hergestellt und ist biologisch nicht abbaubar. Die CO2-Emissionen für Polyester sind 3x so hoch wie für Baumwolle. Weitere synthetische Chemiefasern sind Polyamid oder Polyacryl.
  3. Elastan: Jeder dehnbare und formbeständige Stoff enthält diese Kunstfaser. Auf bis zu 700% lässt sich ein Material ausdehnen, wenn es Elastan enthält. Zudem hat es eine hohe Stabilität und lässt sich gut färben. Elastanfasern bestehen zu 85% aus Polyurethan, das unter anderem aus Erdöl, Erdgas, Steinsalz und Schwefel hergestellt wird.
  4. 2015 waren für die Produktion von Kunstfasern 98 Millionen Tonnen Öl notwendig!
  5. Mischgewebe: Ein Stoff, der aus mindestens zwei Faserarten besteht. Dabei sollen positive Eigenschaften der verschiedenen Stoffe miteinander kombiniert werden. Sehr beliebt sind Baumwoll-Polyester-Mischungen. Das klingt zwar gut, ist es aber nicht. Abgesehen davon, dass Polyester aus Erdöl besteht und mit einem Naturprodukt gemischt wird, können diese Kleidungsstücke nicht recycelt werden. Das sogenannte Faserrecycling ist nur bei einem sehr geringen Teil der Kleidung möglich. Das Problem: Die Mischfasern können nicht getrennt werden.
  6. Seide: Seide besteht vor allem aus Proteinen und entsteht im Maul des Seidenspinners (Raupe). Um den Faden zu gewinnen, müssen die Raupen in ihrem Kokon getötet werden. Hat man den Seidenfaden gewonnen, wird er zu einem Garn aufgerollt, gereinigt, gefärbt und z.B. zu Bekleidung verarbeitet. Seide ist ein teures Naturprodukt.
  7. Kaschmir: Kaschmir-Wolle kommt vom Unterbauch der Kaschmirziege. Das feine Unterhaar kann nur dann entstehen, wenn es nachts sehr kalt und am Tag sehr heiß ist. Die Mongolei und China sind mit jeweils 45% die größten Kaschmir-Produzenten. Das Material ist dafür bekannt, dass er sehr weich ist, nicht kratzt und 6x besser warm hält als Schafswolle. Die Qualitäten sind hier sehr unterschiedlich.

 

Das Problem Mikroplastik

 

60%-70% der produzierten Kleidung besteht mittlerweile aus Mischgewebe und Kunstfasern. Wird die Kleidung gewaschen, verliert sie Mikroplastik. Laut Fraunhofer-Institut für Umwelt- , Sicherheits- und Energietechnik gelangen so jährlich pro Kopf 77g Mikroplastik in unsere Umwelt. Einmal in Flüssen und Meeren, ist das Mikroplastik Teil der Nahrung der Fische und gelangt so auf unserem Tisch. Auch unser Trinkwasser wird mit Mikroplastik belastet und gelangt darüber in unseren Körper.

 

Der Mythos Recycling

 

Noch ist das Textilrecycling nicht ausgereift. Immerhin werden in Deutschland mehr als 60% der Textilien gesammelt, sortiert und zum größten Teil auch wiederverwertet.

 

  • ca. 1 Millionen Tonnen Kleidung landet jährlich im Altkleidercontainer.
  • Ein Teil wird in anderen Ländern weiterverkauft.
  • Was zu verschlissen ist, wird geschreddert und zum Beispiel zu Putzlappen verarbeitet. Der Rest wird verbrannt.

 

Wie ist das mit den neuartigen Sammelboxen der Modeketten? Das eigentliche Versprechen, die eingeworfene Kleidung zu recyceln und somit wieder zu verwerten, wird nicht immer eingehalten. Oft wird die Kleidung vernichtet. Der “Spender” bekommt einen Gutschein und wird somit angeregt, neue Kleidung zu kaufen.

Trotz unseres hohen Konsums und ständigen Sales werden rund  30% der neuen Kleidung in Deutschland nicht verkauft. Was damit passiert? Sie werden:

 

    • an Hilfsorganisationen gespendet.
    • in Ländern ohne Filiale weiterverkauft.
    • landen in Outlet-Stores.
    • aus Angst vor Verkauf auf dem Schwarzmarkt verbrennen Luxuslabels ihre überschüssige Ware.

 

Zero-Waste-Bewegungen

 

Weltweit wird inzwsichen so viel Kleidung produziert, dass mehr als der gesamte Bedarf abgedeckt ist. Also keiner muss nackt durch die Gegend laufen. Allerdings tragen wir in Deutschland ein Kleidungsstück trotzdem nur 4x, bis wir es wieder aussortieren. Genau das befeuert die Fast-Fashion-Industrie.
Second-Hand-Ware verlangsamt zwar diesen Prozess, schiebt das Problem aber nur auf – denn diese Ware muss auch irgendwann entsorgt werden. Die Zero-Waste-Bewegung will den Kreislauf der Textilkette schließen und entwickelt dafür Konzepte. Eines davon ist Cardle to Cardle:

 

  1. Materialien werden mit Bedacht ausgewählt.
  2. Nach der Nutzung können diese industriell kompostiert werden.
  3. Später dienen sie als Nährstoff für Pflanzen.

 

Diese Idee schont nicht nur Ressourcen, auch kann damit der Einsatz von giftigen Chemikalien, z.B. beim Anbau von Baumwolle, gestoppt werden.

 

Was langfristig geändert werden muss!

 

    • Unseren Kleidungskonsum reduzieren.
    • Bewusster konsumieren, also auf gute Qualität und Materialien wie z.B. Bio-Baumwolle, Kaschmir und Seide achten. Die Kleidungsstücke sind zwar teurer, halten aber auch viel länger und sind deutlich angenehmer.
    • Nur das kaufen, was wir auch wirklich brauchen.
    • Kaputte Kleidung wieder aufwerten, z.B. zum Schneider bringen.
    • Kleidung mieten oder leihen.
    • Unsere Kleidung länger tragen. Denn würden wir sie statt ein Jahr mindestens zwei Jahre tragen, würden sich die CO2-Emissionen um 24% reduzieren!

Was hat das mit dem Eisbären zutun?

 

Wie wir bereits wissen, ist der Eisbär durch den Klimawandel gefährdet. Je wärmer es wird, desto mehr und vor allem schneller verschwindet das Packeis, der Lebensraum der Eisbären. Durch die Modeindustrie wird sehr viel CO2 ausgestoßen. Das trägt zum Treibhauseffekt bei und somit auch zur Erderwärmung unseres Planeten. Außerdem könnte sich die Wasserverschmutzung durch Chemikalien negativ auf die Weltmeere auswirken. Reichern sich diese an, werden unsere Meere nicht mehr zu retten sein.

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