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Wie der Plastikmüll von Thessaloniki zum Nordpol kommt

Wie der Plastikmüll von Thessaloniki zum Nordpol kommt

“Kein Müll, kein Plastik in unseren Meeren und an unseren Stränden”, rief die Möwe vor einigen Jahren auf einem Poster an den griechischen Stränden. Es war Teil einer großen Sommerkampagne gegen Plastikmüll der griechischen Vereinigung für Gewässerschutz.

 

Deren Ziel war es, vor allem junge Leute und Touristen zu sensibilisieren, während ihres Sommerurlaubs Plastikmüll, wie Tüten und Flaschen, nicht einfach an den Stränden zurückzulassen.

 

Jedes Jahr landen mehr als 11.000 Tonnen Plastikmüll in der Agäis oder im Ionischen Meer. Allein im Thermaischen Golf mit seiner Hafenstadt Thessaloniki sind es jährlich mehr als 500 Tonnen Plastikmüll. Das sind mehr als 18 LKW-Ladungen voll, die sich vor allem im Hafen sammeln und diesen verschmutzen.

Doch das ist nicht nur hier in Griechenland ein Problem. Insgesamt gelangen jedes Jahr 4,8 bis 12,7 Millionen Tonnen Plastikmüll in die Weltmeere. Ein Riesenproblem. Denn zum einen kostet es tausenden Meeresbewohnern das Leben, zum anderen verschwindet das Plastik nicht so schnell wieder. Es braucht hundert bis tausende Jahre, um sich zu zersetzen. Manche Strände, haben Wissenschaftler festgestellt, bestehen nicht nur hauptsächlich aus Sand, sondern sind mit Mikroplastik versetzt. Durch die ständige Bewegung des Wassers wird der Plastikmüll in mikrokleine Bestandteile zersetzt und bleibt so eben in der Umwelt.

 

Ob an der Oberfläche oder in tieferen Gewässern – der Plastikmüll schwimmt überall. In Thessaloniki, der zweitgrößten Hafenstadt Griechenlands, ist der Plastikmüll ob im Hafen oder am Strand allgegenwärtig. Nur Corona hat die im Wasser schwimmenden Müllberge etwas verkleinert. Denn weniger Touristen und auch weniger Einheimische bedeuten weniger Hinterlassenschaften. Auch lagen weniger Handelsschiffe im Hafen vor Anker und weniger Fischer legten ihre Netze aus.

Gerade auch diese sogenannten Geisternetze sind ein zunehmendes Problem. Einmal verloren gegangen, sind sie kaum mehr aufzuspüren und werden, im Meer schwimmend, zu Fallen für Vögel und Fische.

 

Auf Initiative der Einwohner und in Zusammenarbeit mit privaten Unternehmen wurde jetzt die Finanzierung der Reinigung des Thermaischen Golfes mit einem Reinigungsboot ermöglicht, um den Plastikmüll zu entfernen. Eine aufwendige Prozedur, die nur den an der Oberfläche schwimmenden Müll entfernt. Aber wenigstens das!

In Zukunft soll die Reinigung des gesamten Golfs intensiviert werden, so dass der Müll nicht zum Meeresboden sinkt.

 

Was hat das mit unserer Mission #rettedeneisbär zu tun?

 

Dieser Plastikmüll landet durch die Meeresströmung am Ende in allen Teilen der Welt. Auch im Nordpolarmeer bei unserem Eisbär.

 

 

Das Mittelmeer tauscht Wasser mit allen Ozeanen aus – mit dem Atlantik über die Straße von Gibraltar, mit dem Schwarzen Meer über den Bosporus und über den Suezkanal mit dem Roten Meer und darüber dann mit dem Indischen Ozean.

Aufgrund der Meeresströmungen “reist” der Plastikmüll also von Land zu Land, Region zu Region. Und dann eben auch bis zum Nordpol.

Aber auch indirekt landet der Plastikmüll im Magen des Eisbären. Denn im Magen von Robben und Fischen findet sich immer häufiger Plastikmüll oder auch eben jenes Mikroplastik. Die Nahrungsgrundlage des Eisbären.

Darüber hinaus sind weltweit 100 % der Meeresschildkröten, 67% der Seehunde, 31% der Wale und 25% der Meeresvögel vom Plastikmüll oder von Geisternetzen betroffen.

 

Wie kann das Problem gelöst werden?

 

Im kleinen kann und muss jeder von uns seinen persönlichen Plastikmüll radikal reduzieren. In vielen Supermärkten gibt es zum Glück inzwischen wieder Papiertüten, um Obst einzupacken. Aber der Einzelhandel ist hier natürlich weiter gefragt.

 

Eine aktuelle Umfrage von Statista hat ergeben, dass immerhin 62% der Befragten beim Einkaufen eine eigene Tasche oder Einkaufstüte mitnimmt. Der Griff zur Plastiktüte an der Kasse wird also immer seltener notwendig.

Allerdings machen nur 18% der Deutschen ihre Kaufentscheidung davon abhängig, ob die Verpackung recyclebar ist.

 

 

 

Ein interessanter Trend in letzter Zeit sind inzwischen Läden, die komplett auf Verpackungen verzichten.

 

Eine wichtige Forderung von Umweltverbänden ist, dass Handelsschiffen ihren Müll nicht einfach über Bord entsorgen dürfen. In Griechenland gibt es hier bereits eine Vereinbarung zwischen der Hafenverwaltung und den Schiffseigner, dass der Müll über Müllboote eingesammelt und einer Wiederverwendung zugeführt wird.

 

Fischernetze sollen markiert werden, um sie wieder zu finden, falls sie verloren gehen. Es gibt bereits Initiativen, die dafür sorgen, dass auf jedem Netz der Code des Fischers steht. Hier hofft man auf internationale Nachahmer.

 

Es gibt inzwischen zahlreiche Projekte weltweit, die mit alternativen Verpackungsmaterialien auf den Markt drängen. Ob aus Baumwolle, Wolle, Papier, Kork oder Bambus – es wird überallen nach Plastik-Alternativen gesucht und geforscht.

 

Hier noch kleine Alltagstipps:

 

  • Sieh die Etiketten der Klamotten an, sodass du auf Kunstfasern verzichtest und Baumwolle, Seide oder Wolle-Produkte kaufst – siehe auch unser Artikel Die Kunstfaser und das Mikroplastik

 

  • Räume selbst dein Plastikmüll auf, ob du zu Hause bist oder im Urlaub in Griechenland, zum Beispiel in Thessaloniki.

 

  • Nutze beim Einkaufen Stoffbeutel oder Rucksäcke statt Plastiktüten.
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